Viadukt

Das Leitbild

Unser Leitbild lautet wie folgt:
VIADUKT – Wir fördern die Integration Behinderter durch Erhöhung ihrer Kompetenz und immer unter Wahrung ihrer Würde. Dabei begleiten wir sie bei der Suche nach ihrem individuellen Weg zwischen Selbstverwirklichung und Anpassung.


In unserem Leitbild werden folgende 5 Begriffe vereint:

  1. Integration

    Integration bedeutet Eingliederung in ein größeres Ganzes, Einbeziehung. Teil eines Ganzen zu sein, dazuzugehören, ist eine „normale“ Bestrebung, weil es wichtig für die Identität von Menschen ist. Behindert zu sein bedeutet in unserer Gesellschaftsform die Gefahr von Ausgrenzung (Leistungsdenken, Schönheitsideale, Arbeitsmarkt, etc.), weil Behinderte „anders“ sind. Mittlerweile ist das Benachteiligungsverbot Behinderter sogar ins Grundgesetz aufgenommen worden: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Ziel unserer Arbeit ist, dass Behinderte wieder zu einem Teil des Ganzen werden, auch mit ihrer Andersartigkeit. Für unsere Arbeit heißt das konkret, dass wir im normalen Umfeld (ambulanter Bereich) tätig werden und Unterstützungsangebote bereitstellen, die der Ausgrenzung entgegenwirken (Hilfen zum Wohnen Behinderter in der Gemeinde, Hilfen zur Erlangung oder zum Erhalt von Arbeitsplätzen in Betrieben des 1. Arbeitsmarktes; Eingliederungswohnheim, dessen Aufgabe darin besteht, Klienten wieder zu befähigen, in der Gemeinde selbständig zu wohnen). Integration als Eingliederung in ein größeres Ganzes bestimmt auch die Richtung, unter der mögliche Angebotserweiterungen beleuchtet werden.

  2. Kompetenz

    Kompetenz bedeutet für uns die Fähigkeit von Klienten, mit Anforderungen, die das Leben stellt, zurechtzukommen und umgehen zu können. Der Mensch ist für uns ein lernendes System; ein Zuwachs an Kompetenz ist möglich in jeder Altersstufe, natürlich auch bei Schwerbehinderten.Behinderung – ob angeboren oder später entwickelt/erworben – bedeutet Einschränkung der Möglichkeiten. Diese Einschränkung hat sich bei unseren Klienten im Lauf der Jahre oft auf ein Maß erhöht, das kaum mehr Freiheit/ Handlungsspielraum offen lässt (Klienten erscheinen als Opfer – „kann nichts “- oder als Täter - „untragbar, schrecklich“). Unsere Aufgabe ist es, die Kompetenz zu erhöhen - den Handlungsspielraum zu erweitern, indem wir Verhalten trainieren, Verhaltensmöglichkeiten aufzeigen, Konsequenzen von Verhalten deutlich machen, unsere Wahrnehmung spiegeln. Unsere Arbeit ist geprägt von der Auffassung, dass jeder Mensch kompetent sein will und auch bereits ist. Der Blickwinkel ist dabei auf die Ressourcen gelegt, die es auszubauen gilt.

  3. Würde

    Unsere Klienten sind erwachsen und haben das Recht auf Selbstbestimmung. Ein würdevoller Umgang bedeutet für uns die unbedingte Achtung dieses Selbstbestimmungsrechtes.Wir orientieren uns dabei am Konzept des Empowerment. Wörtlich übersetzt bedeutet Empowerment Bemächtigung, d.h. das Bewusstsein, Situationen oder Ereignisse prinzipiell beeinflussen zu können. Empowerment zielt auf die Selbstbemächtigung von Menschen in Lebenskrisen ab.Konkret bedeutet dies die Abkehr vom defizitorientierten Verständnis, das den Blick auf die Schwachstellen und Mängel beim Klienten richtet, hin zu seinen Ressourcen und Stärken. Diese Ressourcen und Stärken, die innerhalb der gegebenen schwierigen aktuellen Rahmenbedingungen (noch) vorhanden sind, gilt es zu fördern.Würde bedeutet für uns, den individuellen Weg unserer Klienten zu respektieren, ebenso wie ihr eigenes Zeitmaß dafür.
  4. Selbstverwirklichung und

  5. Anpassung

    Zwischen den zwei Polen Selbstverwirklichung und Anpassung bewegt sich auch das Leben Behinderter. Selbstverwirklichung umschreibt den Wunsch, individuelle Wünsche erfüllt zu bekommen, seine Bedürfnisse zu leben, sie fokussiert die Seite des Individuums. Anpassung umschreibt die Zugeständnisse, die die Gemeinschaft von Individuen fordert (z.B. Bedürfnisse zurückstecken, Wünsche verschieben oder verkleinern, etc.), damit sie als Teil der Gemeinschaft betrachtet werden. Das „Sicherheitskorsett“ traditioneller Bindungen (und damit vorbestimmter Lebensformen) löst sich in unserer Gesellschaft zunehmend auf. Zunehmend müssen Menschen ihr Leben aktiv gestalten und organisieren. Jeder muss lernen, für sich zu handeln und zu planen, d.h. die Lebensgestaltung wird offen; die Subjekte werden zu Regisseuren ihrer eigenen biographischen Geschichte. Der Mensch steht ständig vor Wahl- und Entscheidungssituationen und wird dabei noch mit den Plänen und Entwürfen anderer konfrontiert. Zum einen unterstützen wir unsere Klienten, zwischen den beiden o.g. Polen auszubalancieren, d.h. wieviel Individualität ist möglich – wieviel Anpassung ist nötig. Andererseits nehmen wir eine Vermittlerrolle zur Außenwelt ein und versuchen, über diese Rolle für Verständnis zu werben, um den individuellen Freiraum zu erweitern.